Sonntagmorgen
hatten wir das Glück unser Zimmer räumen zu dürfen, um ab heute in
einem Apartment zusammen mit unserem Koordinator zu wohnen. Dadurch
gewinnen wir definitiv an Sicherheit. Das Haus, in dem sich das
Apartment befindet, ist in einem wirklich gutem Zustand und
dementsprechend ist auch unsere Wohnung in einem guten Zustand. Wir
erleben also ein Upgrade :) Das Haus hat nur 4 Wohnungen, das Haus
vorher hatte 15. Diese muss man sich jedoch nicht wie in einem
Hochhaus wie in Deutschland vorstellen, sondern alle leben auf sehr
kleinem Raum zusammen. Bei vielen Bewohnern war uns nicht klar,
welcher Tätigkeit sie nachgehen oder ob sie eine Arbeit haben, da
manch einer den ganzen Tag auf seinem Bett liegen zu schien. Ebenso
konnte man beobachten, wie kleine Brote (vergleichbar mit deutschen
Pfannkuchen) auf einem Gasherd vor der Tür zubereitet wurden und wie
das Wäschewaschen abläuft. Hierbei bekommen wir übrigens immer
mehr Übung.
Als
wir uns am Abend zuvor die Wohnung anschauten, lief eine Mutter mit
ihrem Kind an uns vorbei. Sie hielt kurz an, ihr kleiner Sohn wollte
mir (Nele) unbedingt „Hallo“ sagen, um somit zu erreichen, dass
ich ihm die Hand gebe. Er war schüchtern, aber schien sehr glücklich
darüber, dass er meine Hand anfassen durfte.
Wir
glauben, wir sind hier schon „bekannter“ geworden. Die Leute
schauen einem nicht mehr so ganz lange hinterher, an manchen Plätzen
scheinen wir jedoch nach wie vor für Aufregung zu sorgen.
Insbesondere Männer scheinen schnell in Verlegenheit zu geraten,
wenn ihnen eine weiße Frau gegenüber steht. Die Hand zur Begrüßung
wird hingegen nur dem Mann gereicht. Ich warte also in der Regel
darauf auch jemandem die Hand schütteln zu dürfen, aber meistens
gehe ich leer aus. An unserer Arbeit haben wir eine Einsicht in
vermutlich verschiedene „Schichten“, so liegt es oft nahe als sei
ein Mensch einem anderen Menschen oder einer Sache würdig oder aber
auch nicht würdig. Das still zu beobachten kann sehr schwer sein,
aber letztendlich begeben wir uns selbst in dieses System. Zum Einen
als Arbeiter in Bapu (http://www.bnchy.org ob ihr euch von den Bildern täuschen lasst oder nicht, ist euch selbst überlassen ;)),
weil man je nach Art der Arbeit eine Stellung hat, zum Anderen, weil
wir weiß sind. So wird uns, egal wie fertig, verschwitzt oder
dreckig wir sind, für jedes Geschäft sofort die Tür geöffnet. Für
manch einen anderen bleibt sie verschlossen. Als wir übergangsweise
unser Gepäck am Sonntagmorgen in einem Zimmer lagerten, durften wir
es nicht selbst tragen, sondern Andere mussten dies für uns tun. Wir
konnten gar nicht so schnell gucken, unsere Mithilfe war nicht
erwünscht.
In
den Läden stritt sich das Personal fast darum, wer uns bedienen
darf. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich zeigten sich auch in
dieser Gegend sehr ab. So gab es in den genannten Läden also
ausschließlich teure Kleidung, super aussehende Einrichtungen,
Klimaanlage und gestylte Mitarbeiter, direkt vor der Tür sah man die
Armen, die kleine Stände haben, betteln oder mit ihren Kindern
einfach in der Fußgängerzone liegen.
Wenn
man denkt, man sei schon mal in Deutschland mit einem vollen Bus oder
einer vollen Bahn gefahren, weiß man nicht wie es ist hier ist mit
einer Metro zu fahren. Es waren so unglaublich viele Leute in unserem
Zugteil, sodass man sich eigentlich gar nicht bewegen konnte.
Samstag waren wir übrigens mit zwei anderen in dem Tempel Akshar Dham. Sehr
eindrucksvoll, aber leider durfte man keine Fotos machen.
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