Montag, 11. August 2014

11.08.2014

Sonntagmorgen hatten wir das Glück unser Zimmer räumen zu dürfen, um ab heute in einem Apartment zusammen mit unserem Koordinator zu wohnen. Dadurch gewinnen wir definitiv an Sicherheit. Das Haus, in dem sich das Apartment befindet, ist in einem wirklich gutem Zustand und dementsprechend ist auch unsere Wohnung in einem guten Zustand. Wir erleben also ein Upgrade :) Das Haus hat nur 4 Wohnungen, das Haus vorher hatte 15. Diese muss man sich jedoch nicht wie in einem Hochhaus wie in Deutschland vorstellen, sondern alle leben auf sehr kleinem Raum zusammen. Bei vielen Bewohnern war uns nicht klar, welcher Tätigkeit sie nachgehen oder ob sie eine Arbeit haben, da manch einer den ganzen Tag auf seinem Bett liegen zu schien. Ebenso konnte man beobachten, wie kleine Brote (vergleichbar mit deutschen Pfannkuchen) auf einem Gasherd vor der Tür zubereitet wurden und wie das Wäschewaschen abläuft. Hierbei bekommen wir übrigens immer mehr Übung.


Als wir uns am Abend zuvor die Wohnung anschauten, lief eine Mutter mit ihrem Kind an uns vorbei. Sie hielt kurz an, ihr kleiner Sohn wollte mir (Nele) unbedingt „Hallo“ sagen, um somit zu erreichen, dass ich ihm die Hand gebe. Er war schüchtern, aber schien sehr glücklich darüber, dass er meine Hand anfassen durfte.
Wir glauben, wir sind hier schon „bekannter“ geworden. Die Leute schauen einem nicht mehr so ganz lange hinterher, an manchen Plätzen scheinen wir jedoch nach wie vor für Aufregung zu sorgen. Insbesondere Männer scheinen schnell in Verlegenheit zu geraten, wenn ihnen eine weiße Frau gegenüber steht. Die Hand zur Begrüßung wird hingegen nur dem Mann gereicht. Ich warte also in der Regel darauf auch jemandem die Hand schütteln zu dürfen, aber meistens gehe ich leer aus. An unserer Arbeit haben wir eine Einsicht in vermutlich verschiedene „Schichten“, so liegt es oft nahe als sei ein Mensch einem anderen Menschen oder einer Sache würdig oder aber auch nicht würdig. Das still zu beobachten kann sehr schwer sein, aber letztendlich begeben wir uns selbst in dieses System. Zum Einen als Arbeiter in Bapu (http://www.bnchy.org ob ihr euch von den Bildern täuschen lasst oder nicht, ist euch selbst überlassen ;)), weil man je nach Art der Arbeit eine Stellung hat, zum Anderen, weil wir weiß sind. So wird uns, egal wie fertig, verschwitzt oder dreckig wir sind, für jedes Geschäft sofort die Tür geöffnet. Für manch einen anderen bleibt sie verschlossen. Als wir übergangsweise unser Gepäck am Sonntagmorgen in einem Zimmer lagerten, durften wir es nicht selbst tragen, sondern Andere mussten dies für uns tun. Wir konnten gar nicht so schnell gucken, unsere Mithilfe war nicht erwünscht.

Sonntagmittag haben wir uns auf den Weg nach New Delhi gemacht. Delhi hat sehr viele Stadtteile mit einer Gesamtgröße von 1483km² und circa 13,5 Millionen Einwohner (2001 naja das sind jetzt bestimmt einige mehr). Mit Vorfreude starteten wir unseren Ausflug. Es regnete etwas, wir machten uns nichts draus. Vielleicht hätten wir das aber sollen, denn so wurden wir schon auf der Fahrt mit der Autoritschka ganz schön nass. Als wir am Indian Gate ankamen, regnetet es noch mehr. Wir stellten uns, ziemlich nass, unter und warteten ziemlich lange bis es endlich weniger regnete. Wir entschieden uns dazu mit einer Autoritschka weiter zu fahren und waren kurz darauf am Caunnught Place. Früher durften in dieser Gegend nur Europäer und reiche Inder einkaufen, dies zeichnet sich auch noch heute ab. So gibt es ausschließlich Marken wie Lacoste, Puma, Nike, Adidas etc., für Inder sind diese Marken sehr teuer. Hier ein Vergleich: Gestern wurde uns erzählt, dass ein normales Apartment pro Monat circa 4000 Rp kostet, NikeeAir-Schuhe kosten circa 8000Rupi!
In den Läden stritt sich das Personal fast darum, wer uns bedienen darf. Die Unterschiede zwischen Arm und Reich zeigten sich auch in dieser Gegend sehr ab. So gab es in den genannten Läden also ausschließlich teure Kleidung, super aussehende Einrichtungen, Klimaanlage und gestylte Mitarbeiter, direkt vor der Tür sah man die Armen, die kleine Stände haben, betteln oder mit ihren Kindern einfach in der Fußgängerzone liegen.
Wenn man denkt, man sei schon mal in Deutschland mit einem vollen Bus oder einer vollen Bahn gefahren, weiß man nicht wie es ist hier ist mit einer Metro zu fahren. Es waren so unglaublich viele Leute in unserem Zugteil, sodass man sich eigentlich gar nicht bewegen konnte.



Samstag waren wir übrigens mit zwei anderen in dem Tempel Akshar Dham. Sehr eindrucksvoll, aber leider durfte man keine Fotos machen.

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